Nachts aufwachen, um zur Toilette zu gehen, beeinträchtigt sowohl die Schlafqualität als auch die Energie tagsüber erheblich. Dieser als „Nykturie" bezeichnete Zustand wird als zweimaliges oder häufigeres nächtliches Aufwachen zum Wasserlassen definiert.
Viele Menschen halten dies für einen natürlichen Teil des Alterns und suchen keinen Arzt auf. Dabei hat Nykturie häufig eine behandelbare Ursache.
Was sind die Ursachen des nächtlichen Wasserlaens?
Urologische Ursachen
- Gutartige Prostatavergrößerung (BPH) – häufigste Ursache bei Männern
- Überaktive Blase – plötzlicher Harndrang und häufiges Wasserlassen
- Verringerung der Blasenkapazität
- Harnwegsinfektion
- Blasentumor (selten, muss jedoch ausgeschlossen werden)
Systemische Ursachen
- Unkontrollierter Diabetes – übermäßige Harnproduktion
- Herzinsuffizienz oder Niereninsuffizienz – tagsüber gespeicherte Flüssigkeit wird nachts ausgeschieden
- Schlafapnoe – nächtliche Druckveränderungen erhöhen die Harnproduktion
- Blutdruckmedikamente (insbesondere Diuretika)
Lebensstilfaktoren
- Übermäßiger Flüssigkeitskonsum am Abend
- Koffein und Alkohol – diuretische Wirkung
- Intensiver Sport kurz vor dem Schlafengehen
Wann ist Nykturie ernst zu nehmen?
Nykturie, die einige Male pro Woche auftritt, kann vorübergehend sein. In den folgenden Situationen sollte jedoch unbedingt ein Urologe aufgesucht werden:
- Wenn Sie jede Nacht 2- oder mehrmals aufwachen, um Wasser zu lassen
- Wenn tagsüber auch häufiges Wasserlassen, plötzlicher Harndrang oder Inkontinenz auftreten
- Wenn Blut, Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen hinzukommen
- Wenn Sie morgens müde aufwachen und Ihre Schlafqualität beeinträchtigt ist
Wie wird Nykturie diagnostiziert?
Dr. Serkan Doğan führt eine umfassende Bewertung durch, um die Ursache der Nykturie zu bestimmen:
- Miktionsprotokoll – 2–3 Tage Harntagebuch
- Urinanalyse und -kultur
- PSA-Test und Prostatabewertung
- Uroflowmetrie (Messung der Harnflussrate)
- Ultrasonografie zur Untersuchung von Blase und Prostata
- Bei Bedarf urodynamische Tests
Welche Behandlungsoptionen gibt es?
Lebensstiländerungen
- Einschränkung der Flüssigkeitsaufnahme nach 18 Uhr
- Koffein- und Alkoholkonsum reduzieren
- 1–2 Stunden vor dem Schlafengehen Beine hochlegen (besonders bei Patienten, die aufgrund von Ödemen nachts aufwachen)
Medikamentöse Therapie
- Bei BPH: Alphablocker oder 5-Alpha-Reduktase-Hemmer
- Bei überaktiver Blase: Anticholinergika oder Beta-3-Agonisten
- Bei Nykturie: Desmopressin (reduziert die nächtliche Harnproduktion)
Chirurgische Behandlung
Bei BPH-bedingter Nykturie, auf die die medikamentöse Therapie nicht anspricht, können minimalinvasive Methoden wie REZUM oder HoLEP angewendet werden.
Fazit
Nächtliches Aufwachen zum Wasserlassen ist kein Schicksal. Es ist ein Problem, das in den meisten Fällen mit der richtigen Diagnose und gezielter Behandlung gelöst werden kann. Suchen Sie sowohl für Ihre Gesundheit als auch für Ihre Schlafqualität einen Urologen auf.
