Eine Varikozele ist die Erweiterung und Schlingenbildung der Venen um die Hoden. Im Aussehen ähnelt sie Krampfadern an den Beinen; diesmal befinden sich die Gefäße jedoch im venösen Netzwerk um die Hoden.
Eine Varikozele tritt bei 15 % der Männer auf und ist die häufigste behebbare Ursache für männliche Unfruchtbarkeit. Bei Paaren mit Fruchtbarkeitsproblemen kann diese Rate bis zu 40 % erreichen.
Was sind die Symptome einer Varikozele?
Eine Varikozele verursacht nicht immer Symptome. Viele Männer erhalten die Diagnose zufällig bei einer Routineuntersuchung oder einer Fruchtbarkeitsabklärung. Wenn Symptome auftreten, sind diese:
- Dumpfer, schwerer Schmerz oder Unbehagen im Hoden – verschlimmert sich besonders durch langes Stehen oder Sport
- Sichtbare oder tastbare gewundene Venen im Hoden (Gefühl eines Wurmknäuels)
- Leichte Hodenschrumpfung (Atrophie) links
- Befundauffälligkeiten im Spermiogramm (Anzahl, Beweglichkeit, Formabnormitäten)
Warum beeinflusst eine Varikozele die Spermienqualität?
Der Hauptmechanismus, durch den eine Varikozele die Spermienproduktion stört, ist die Erhöhung der Hodentemperatur. Unter normalen Bedingungen befinden sich die Hoden in einer Umgebung, die 2–3 °C kühler ist als die Körperkerntemperatur – dies ist für eine gesunde Spermienproduktion unerlässlich. Bei einer Varikozele stören die erweiterten Venen diese kühle Umgebung:
- Die Hodentemperatur steigt – schädigt die Spermienproduktionszellen
- Oxidativer Stress nimmt zu – Spermien-DNA wird geschädigt
- Die hormonale Funktion der Hoden wird gestört – Testosteronproduktion kann abnehmen
- Der Blutfluss wird beeinträchtigt – Abfallprodukte reichern sich in den Hoden an
Wie wird eine Varikozele diagnostiziert?
Die Varikozelendiagnose wird durch eine körperliche Untersuchung gestellt; sie ist im Spermiogramm nicht sichtbar. Daher muss jeder Mann mit Fruchtbarkeitsproblemen unbedingt von einem Urologen untersucht werden.
Zur Bestätigung der Diagnose und Graduierung wird ein skrotales Doppler-Ultraschall eingesetzt. Varikozelen werden je nach Größe in Grad 1 (klein), 2 (mittel) und 3 (groß) eingeteilt.
Behandlung der Varikozele: Mikrochirurgische Varikozelektomie
Eine klinisch relevante Varikozele – insbesondere wenn sie mit Unfruchtbarkeit oder Schmerzen einhergeht – sollte behandelt werden. Die Goldstandard-Methode ist die mikrochirurgische Varikozelektomie.
Wie wird die Operation durchgeführt?
Über einen kleinen Schnitt in der Leisten- oder Unterbauchregion wird unter dem Operationsmikroskop gearbeitet. Nur die erweiterten kranken Venen werden ligiert; die Hodenarterie und die Lymphgefäße werden sorgfältig erhalten. Dank dieser Selektivität sind die Komplikationsraten äußerst gering.
Ergebnisse
- Signifikante Verbesserung der Spermienqualität: Tritt 3–6 Monate nach der Operation auf
- Erhöhung der natürlichen Schwangerschaftsraten: Die Rate der Schwangerschaften ohne assistierte Reproduktionstechniken steigt
- Deutliche Schmerzreduktion
- Verbesserung des Testosteronspiegels (bei manchen Patienten)
Genesungsverlauf
- Die Operation wird als ambulanter Eingriff durchgeführt – Entlassung am selben Tag
- Rückkehr ins Berufsleben: 3–5 Tage
- Schwere körperliche Belastung für 2–3 Wochen vermeiden
Was passiert, wenn ich mich nicht operieren lasse?
Eine unbehandelte Varikozele kann die Hoden mit der Zeit stärker beeinträchtigen. Insbesondere bei Paaren mit Fruchtbarkeitsproblemen nimmt mit zunehmender Wartezeit der Bedarf an assistierten Reproduktionstechniken zu. Ein frühzeitiger Eingriff schützt sowohl die Spermienqualität als auch die Chancen auf eine natürliche Schwangerschaft.
